Iran: Jugendlichem droht die Hinrichtung

Die iranischen Behörden müssen unverzüglich alle Pläne zur öffentlichen Hinrichtung des 18-jährigen Ringermeisters Saleh Mohammadi stoppen, der in der Stadt Ghom im Zusammenhang mit den Protesten vom Januar 2026 zum Tode verurteilt wurde. Des Weiteren muss die Administration die Anwendung der Todesstrafe, auch gegen Demonstrierende, vollständig einstellen.

Saleh Mohammadi wurde eine angemessene Verteidigung verweigert und er wurde in einem Eilverfahren, das keinerlei Ähnlichkeit mit einem ordentlichen Prozess aufwies, unter anderem zu „Geständnissen“ gezwungen. Dies verdeutlicht, wie die iranischen Behörden die Todesstrafe einsetzen, um abweichende Meinungen zu unterdrücken und abzuschrecken. Ein Strafgericht in der Stadt Ghom verurteilte Saleh Mohammadi schließlich am 4. Februar 2026 nach dem qesas-Prinzip („Vergeltung gleicher Art“), demzufolge die für die Straftat verantwortliche Person dasselbe Schicksal zu erleiden hat wie das Opfer. Das Gericht stützte sich auf unter Folter erzwungene „Geständnisse“, um ihn der Beteiligung am Tod eines Sicherheitsbeamten am 8. Januar 2026 zu überführen, was Saleh Mohammadi bestreitet. Nach seiner Festnahme wurde Saleh Mohammadi von der Ermittlungseinheit der iranischen Polizei (Agahi) festgehalten. Er sagte vor Gericht aus, er habe unter Folter und Misshandlungen „gestanden“. Es gibt keine Informationen darüber, ob seinen Foltervorwürfen nachgegangen wurde.

Nach den „Frau, Leben, Freiheit-Protesten“ im Jahr 2022 instrumentalisierten die iranischen Behörden die Todesstrafe und vollzogen seither massenhaft Hinrichtungen an Tausenden von Menschen. Die UN-Mitgliedstaaten müssen die iranischen Behörden dringend auffordern, alle Exekutionen zu stoppen und das harte Vorgehen gegen die Protestierenden zu beenden. Dies ist das erste von Amnesty International bestätigte Todesurteil im Zusammenhang mit dem Aufstand vom Januar 2026. Wir sind jedoch zutiefst besorgt, dass weitere Protestierende und Dissidenten angesichts der Massenverhaftungen und der Drohungen der iranischen Behörden, keinerlei Milde walten zu lassen und die Protestierenden zu bestrafen, ebenfalls die Todesstrafe riskieren. Das Muster ist nicht neu: Die iranischen Behörden machen immer dann verstärkt von der Todesstrafe Gebrauch, wenn es darum geht, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und um ihre Macht zu festigen.

13. Februar 2026