Iran: Akademiker wegen „Spionage“ akut von Hinrichtung bedroht

Dem schwedisch-iranischen Medizin-Wissenschaftler Dr. Ahmadreza Djalali droht unmittelbar die Hinrichtung. Am 24. November wurde ihm und seinem Anwalt mitgeteilt, dass die Vollstreckung des Todesurteils in Kürze erfolgen soll.

Ahmadreza Djalali ist Doktor der Medizin, Dozent und Forscher in Katastrophenmedizin. Er hielt sich aus beruflichen Gründen in Iran auf, als er am 25. April 2016 von Angehörigen des Geheimdienstministeriums ohne Haftbefehl festgenommen wurde. Er wurde sieben Monate lang im Evin-Gefängnis festgehalten und verbrachte drei Monate in Einzelhaft und ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand. Seinen Angaben zufolge wurde er während dieser Zeit gefoltert und anderweitig misshandelt: Man habe ihn unter Druck gesetzt, ein „Geständnis“ darüber abzulegen, dass er ein Spion sei. Zu diesem Zweck habe man ihm gedroht, ihn hinzurichten und seine in Schweden lebenden Kinder sowie seine in Iran lebende Mutter zu töten. Eigenen Angaben zufolge wurde er gezwungen, „Geständnisse“ abzulegen, die auf Video aufgezeichnet wurden und bei denen er Stellungnahmen verlas, die von den Personen, die das Verhör durchführten, vorbereitet worden waren. Dr. Ahmadreza Djalali weist die Anschuldigungen von sich und bezeichnet sie als Erfindung der Behörden. Trotz des dringenden Verdachts auf eine Leukämieerkrankung wird ihm eine adäquate medizinische Versorgung verwehrt.

Dr. Ahmadreza Djalali wurde im Oktober 2017 vor der Abteilung 15 des Teheraner Revolutionsgerichts wegen „Verdorbenheit auf Erden“ (ifsad fil-arz) zum Tode verurteilt. Das Gerichtsverfahren entsprach bei Weitem nicht den internationalen Standards für faire Verfahren. Im August 2017 schrieb Dr. Djalali einen Brief aus dem Evin-Gefängnis, in dem er angibt, von den iranischen Behörden nur deshalb inhaftiert worden zu sein, weil er sich geweigert hatte, seine akademischen Beziehungen zu europäischen Institutionen dafür zu nutzen, für Iran zu spionieren. Am 9. Dezember 2018 erfuhren seine Rechtsbeistände, dass sein Todesurteil vor der Abteilung 1 des Obersten Gerichtshofs summarisch bestätigt worden war, ohne dass sie die Möglichkeit gehabt hätten, Verteidigungsanträge im Namen ihres Mandanten einzureichen. Ende Dezember 2020 erhielt seine Familie Informationen, wonach dem 49-Jährigen ein einmonatiger Hinrichtungsaufschub gewärt worden sei. Er bleibt unverändert akukt vom Vollzug der Todesstrafe bedroht.

Aktiv werden

Du möchtest eine Protestnote schreiben? Fordere bitte die Oberste Justizautorität Irans auf, die Pläne zur Hinrichtung von Ahmadreza Djalali sofort einzustellen, sein Todesurteil aufzuheben und ihn unverzüglich freizulassen.

  • [Hier] kannst du bis zum 24. Februar 2021 mit wenigen Handgriffen deinen Brief auf deutsch oder englisch ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
  • Eine Eilaktion (Urgent Action) mitsamt einem Briefvorschlag in englischer Sprache findest du [hier].

Mehr dazu

  • Eine Pressemitteilung in Deutsch findet ihr [hier].
  • Zu einem Amnesty-Bericht in Englisch geht es [hier].
  • Am 24. November hatten 149 Nobelpreisträger_innen einen Brief an Religionsführer Ajatollah Ali Khamenei unterzeichnet, Expertinnen und Experten der UN veröffentlichten eine Erklärung, in der sie die iranische Regierung auffordern, die Hinrichtung zu stoppen. Hier ist der [Link] zu weiteren Informationen.
17. Januar 2021