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Williams hingerichtet



26.04.2017

Williams hingerichtet
Herr MARCEL WILLIAMS, 46 Jahre

Für eine Welt ohne Todesstrafe: © Fons Hickmann
Für eine Welt ohne Todesstrafe: © Fons Hickmann

Marcel Williams ist am 24. April wegen eines 1994 verübten Mordes hingerichtet worden. Er war einer der beiden Todeskandidaten, die am 24. April im US-Bundesstaat Arkansas hingerichtet wurden. Es ist das erste Mal seit 2000, dass ein US-Bundesstaat zwei Hinrichtungen an einem Tag durchführt.

Am 5. Dezember 1994 fand die Polizei die Leiche der 22-jährigen Stacy Errickson in einem flachen Grab nahe Little Rock in Arkansas. Der damals 24-jährige Marcel Williams wurde wegen Entführung, Vergewaltigung und Tötung des am 20. November 1994 verschwundenen Opfers angeklagt. Er wurde im Januar 1997 vor Gericht gestellt. Seine Rechtsbeistände brachten keine mildernden Umstände in das Verfahren ein.

Nachdem das gegen Marcel Williams verhängte Todesurteil von den Gerichten des Bundesstaates Arkansas bestätigt worden war, befand ein Bundesrichter 2007, dass "eindeutige und überzeugende Beweise" vorlägen und dass die Rechtsbeistände ihre Aufgabe im Gerichtsverfahren unzulänglich erfüllt hätten, indem sie die strafmildernden Faktoren hinsichtlich der Armut, Entbehrung und des Missbrauchs ihres Mandanten außer Acht gelassen hatten. Er ordnete an, dass der Bundesstaat Arkansas Marcel Williams eine neue Anhörung zur Festlegung des Strafmaßes anberaumen oder das Todesurteil in eine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung umwandeln müsse. Das Berufungsgericht drehte dies um und hielt dagegen, dass der Richter keine Anhörung zur Beweisaufnahme hätte abhalten dürfen. Das Berufungsgericht missachtete also seinerseits die bei der Anhörung vorgebrachten Beweise und hielt das Todesurteil aufrecht. 2010 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA den Fall ab, obwohl zwei Richter_innen dem nicht zustimmten. Sie argumentierten, dass die Ansicht des Berufungsgerichts "dem Gerechtigkeitsinteresse eine nicht akzeptable Bürde" auferlege.

Nach Ablehnung aller Rechtsmittel und der Aufhebung eines kurzen Hinrichtungsstopps einer Richterin des Bundesgerichtes am 24. April, wurde das Todesurteil, nach der Weigerung des Obersten Gerichtshofs der USA einzugreifen, vollstreckt. Marcel Williams wurde um 22.33 Uhr, etwa 16 Minuten nach Beginn der tödlichen Injektion für tot erklärt. Nach der Hinrichtung kommentierte Gouverneur Asa Hutchinson: "Nach über 20 Jahren ist der Familie von Stacy Errickson Gerechtigkeit widerfahren. Ich habe den Fall gründlich überprüft und entschieden, dass keine Gnade gewährt werden soll. Ich möchte die Geduld und das lange Leiden der Familie Errickson durch diese Tortur hindurch würdigen. Dies ist eine ernste und nachdenkliche Zeit in unserem Staat und es ist wichtig für die Familie Errickson und alle Menschen in Arkansas zu wissen, dass in diesem Fall unsere Gesetze zur Gerechtigkeit beigetragen haben."

Die Hinrichtung war eine von zwei Exekutionen in Arkansas am Abend des 24. April. Es ist das erste Mal seit dem 9. August 2000 in Texas, dass ein US-Bundesstaat zwei Hinrichtungen an einem Tag durchführt. Damit steigt die Zahl der Hinrichtungen in den USA in 2017 auf neun, drei davon in Arkansas. Damit sind in den USA 2017 bereits fünf Menschen hingerichtet worden und die Gesamtzahl der Hinrichtungen in den USA seit der Wiederaufnahme der Todesstrafe im Jahr 1976 beläuft sich nun auf 1.451. Amnesty International lehnt die Todesstrafe grundsätzlich und uneingeschränkt ab. Zurzeit ist die Todesstrafe in 141 Ländern weltweit per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

Vielen Dank allen, die mit ihren Appellen versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.


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