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Drohende Hinrichtung am 27. April



04.04.2017

Drohende Hinrichtung am 27. April
Herr KENNETH WILLIAMS, 38 Jahre

Hinrichtungsraum: © Robert Priseman
Hinrichtungsraum: © Robert Priseman

Kenneth Williams soll am 27. April wegen eines 1999 im Zusammenhang mit einem Gefängnisausbruch begangenen Mordes im US-Bundesstaat Arkansas hingerichtet werden. Er war damals 20 Jahre alt und seinen Angaben zufolge ist er heute nicht mehr derselbe Mensch wie damals. Er bereue seine Taten und könne seinen Beitrag zur Gesellschaft leisten, wenn man ihn am Leben lasse.

Im September 1999 wurde Kenneth Williams wegen eines 1998 begangenen Mordes in Pine Bluff im US-Bundesstaat Arkansas zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe ohne Möglichkeit der vorzeitigen Haftentlassung verurteilt. Die Behörden brachten ihn ins Gefängnis Cummins Unit, wo er in der mittleren Sicherheitsstufe untergebracht wurde. Am 3. Oktober 1999 gelang dem 20-Jährigen der Ausbruch aus der Hafteinrichtung. Im späteren Gerichtsverfahren sagte einer der Wärter aus, zwei Gefängnisbedienstete hätten ihre Aufsichtspflicht nicht erfüllt und so ermöglicht, dass der "Insasse Williams ausbrechen konnte". Am Nachmittag des Ausbruchs wurde Cecil Boren unweit des Gefängnissses in seinem Haus erschossen und sein Transporter gestohlen. Am darauffolgenden Tag entdeckte die Polizei das Fahrzeug im Nachbarbundesstaat Missouri und nahm die Verfolgung auf. Während der Verfolgungsjagd kam der Fahrer eines anderen Transporters, Michael Greenwood, ums Leben, als die beiden Fahrzeuge zusammenstießen. Die Polizei nahm Kenneth Williams fest, als er zu Fuß vom Unfallort fliehen wollte. Er wurde vor Gericht gestellt und im Juni 2000 des Mordes an Cecil Boren für schuldig befunden.

In der Phase des Gerichtsverfahrens, in der über das Strafmaß entschieden wurde, legte die Verteidigung neben psychologischen Gutachten Berichte über die Jugend des Angeklagten, seine von extremer Armut geprägte Kindheit, über Gewalt, der er sowohl zu Hause als auch auf der der Straße ausgesetzt war, den Drogenkonsum seiner Eltern, die mangelhafte Erziehung durch seine Eltern sowie sein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und seine Lernbeeinträchtigungen vor. Die Geschworenen gaben auf dem Formular zur Urteilsbegründung jedoch nicht an, dass sie strafmildernde Faktoren berücksichtigt hatten. Der Richter wies sie daraufhin an, zumindest einen strafmildernden Faktor zu benennen. Die Geschworen benannten daraufhin nur den Faktor: "Kenneth D. Williams erlebte die Disfunktionalität der Familie, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde". Im Jahr 2007 wies das Oberste Gericht von Arkansas das Argument zurück, die Geschworenen hätten die vorgelegten strafmildernden Faktoren nicht ausreichend berücksichtigt.

Unter den Zeug_innen, die von der Anklagebehörde vorgeladen wurden, war die Schwester eines der Opfer. Sie erklärte, im Gegensatz zu den Geschworenen könnten sie und ihre Familie "nichts tun". Sie fragte die Geschworen: "Was würden Sie tun, wenn es Ihre Schwester oder Ihr Bruder gewesen wäre oder Ihr Baby, das Ihnen jemand entreißt? Ich kann nichts tun, aber Sie können es." Der Verteidiger erhob Einspruch, weil dies eine regelwidrige "opferbetonte" Zeugenaussage gewesen sei, und der Richter räumte ein, dass dies sehr nah an einer Regelwidrigkeit sei, ließ die Aussage aber zu. Im Jahr 2010 befand ein Bundesberufungsgericht, dass die Aussage der Schwester gegen verfassungsrechtliche Standards verstoßen habe, da sie davon ausging "dass die Geschworenen ihr zustimmen und sich für die Todesstrafe aussprechen würden". Dennoch vertrat das Gericht die Auffassung, dass dies letztendlich keinen Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens gehabt habe, und bestätigte das Todesurteil.

Kenneth Williams hat ein Gnadengesuch eingereicht. Darin erklärt er, dass "er nicht mehr derjenige sei, der er damals war", dass er seine Taten der Vergangenheit bereue und dass seine Läuterung zeige, "auch die schlmimmsten Menschen können sich zum Besseren verändern". Er bringt in dem Gnadengesuch seine Hoffnung zum Ausdruck, dass "junge Menschen, die lesen, was ich schreibe", von dem "Weg wegkommen werden, den ich in meinen Jugendjahren genommen habe".

SCHREIBEN SIE BITTE

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte begnadigen Sie Kenneth Williams und wandeln Sie sein Todesurteil in eine Haftstrafe um.
  • Ich möchte betonen, dass ich die Schwere der verübten Gewaltverbrechen und ihre Folgen sowie das Leid der Hinterbliebenen auf keinen Fall herunterspielen möchte.
  • Die Todesstrafe negiert die Möglichkeit der Rehabilitierung und Läuterung eines Menschen und trägt nicht dazu bei, die Ursachen und von menschlicher Gewalt und die Reaktionen darauf zu verstehen.

APPELLE AN

GOUVERNEUR VON ARKANSAS
The Honorable Asa Hutchinson
Governor of the State of Arkansas
State Capitol, Suite 250
500 Woodlane St
Little Rock
AR 72201, USA
(Anrede: Dear Govenor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 501 682 3597oder (001) 501 682-1382
E-Mail: http://governor.arkansas.gov/contact-info/
(Da dieses Formular nur mit einer US-Adresse zu verwenden ist, tragen Sie bitte Ihren Namen und die Adresse der US-Sektion von Amnesty International ein:
600 Pennsylvania Ave. SE, 5th Floor
Washington, D.C. Zip Code: 20003)

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, sodass sie noch vor dem 27. April 2017 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN (AUF ENGLISCH)

On death row, Kenneth Williams has become religious and active in bible studies, and also taken to writing. In an article written in 2015, he recalled in 1998 having to carry the coffin of a 13-year-old friend, Matthew, who had "accidentally shot himself in the head while playing with a loaded gun he never should have had". The article continues: "We grew up in the same gang-infested neighbourhood; we both lived as outlaws, who ran the streets of Pine Bluff, Arkansas, living dangerously on the edge. There was an age difference between us: when he was 13, I was 19. He was my apprentice, influenced in like-manner as I had been influenced by other older gang bangers? His life was a repeat of mine. Staring into his life was like looking into a mirror. I was ten years old the first time I was sentenced to the boy's school for reform. After my release, I committed recidivism over and over again. I fled just about every foster home my case worker placed me in. At sixteen years old I was sentenced to prison for first degree escape from 'The Arkansas Serious Offender Program' and for second degree battery? After serving two years and two months, I was released on April 2, 1998?. I could have done much more to deter [Matthew] from his reckless decision-making. Had I done so, perhaps his fate could have been altered. It pains me to say, I and others came up short in the role model category? If only this was an isolated case, perhaps it would be more bearable; regrettably, it's not. People all around the world struggle with the premature loss of a loved one. And, like myself, they find themselves asking the questions: 'Could I have done more?' 'Why didn't I do more?'?. Due to my inaction, I had to look upon the stiff, cold face of Matthew at his funeral? My young apprentice, whom I blindly led astray, is dead. As for me, I'm on Death Row, the closest a person can come to being in a grave without actually being there? We've all dropped the ball in some way, and boy does it show unmistakably in our school houses, in our jails, and prisons, our rehabs, and yes? most regrettably, our graveyards too."

The extent of the security measures used at his trial raise concerns about whether Kenneth Williams' right to the presumption of innocence was undermined and whether the jury may have viewed them as an indicator of his dangerousness and a reason to vote for the death penalty. He was made to wear prison clothing, handcuffs, shackles and an electro-shock stun belt, and there were uniformed guards sitting and standing near him. While US law permits shackling during guilt and sentencing phases only in exceptional cases, the US Supreme Court recognizes that "unlike physical restraints, compelling an accused to wear jail clothing furthers no essential state policy", while carrying the "possible impairment of the presumption [of innocence] so basic to the adversary system". In 2002, the Arkansas Supreme Court ruled that because the jury would anyway be told that the crime was committed while he was a prisoner, making him wear prison clothing was harmless. The Court noted that the jury may have seen his handcuffs and shackles, but said that "restraints are not per se prejudicial, and the defendant must affirmatively demonstrate prejudice", ruling that he had not done so. It said the same in relation to the use of the uniformed guards. Amnesty International considers that the use of the stun belt violates the ban on torture and other cruel, inhuman or degrading treatment (https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/054/1999/en/). The UN Committee against Torture has called for its abolition.

Like many states, Arkansas has faced problems sourcing chemicals for its lethal injection protocols and effecting protocols that courts find constitutional. In June 2016, the Arkansas Supreme Court upheld the state's three-drug execution protocol. After the US Supreme Court declined to intervene in February 2017, Governor Hutchinson set execution dates for eight prisoners: Bruce Ward and Don Davis on 17 April; Ledelle Lee and Stacey Johnson on 20 April; Marcel Williams and Jack Jones on 24 April, and Jason McGehee and Kenneth Williams on 27 April. See https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/5816/2017/en/.

There have been six executions in the USA in 2017, bringing the total to 1,448 since judicial killing resumed in the USA in 1977 under capital statutes approved by the US Supreme Court in 1976. The last execution in Arkansas - its 27th since 1977 - was carried out in 2005. Amnesty International opposes the death penalty in all countries and all cases, unconditionally.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for clemency for Kenneth Williams and for his death sentence to be commuted;
  • Explaining that you are not seeking to excuse violent crime or to minimize the suffering caused;
  • Pointing out that the death penalty denies the possibility of rehabilitation and reform of individuals, and does nothing to further our understanding of the roots of and responses to human violence.

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