StartseiteNewsletterInfosÜber unsAktiv werdenSpenden
 
 

Hinrichtungstermin bestätigt



13.03.2017

Hinrichtungstermin bestätigt
Herr IVAN TELEGUZ

Für eine Welt ohne Todesstrafe: © Amnesty International / Fons Hickmann m23
Für eine Welt ohne Todesstrafe: © Amnesty International / Fons Hickmann m23

Der ukrainische Staatsangehörige Ivan Teleguz soll am 25. April im US-Bundesstaat Virginia hingerichtet werden. Er beteuert seine Unschuld an einem Mord im Jahr 2001, für den er 2006 zum Tode verurteilt wurde.

Am 23. Juli 2001 fand man Stephanie Sipe tot in ihrer Wohnung in Harrisonburg in Virginia. Die Polizei verdächtigte Ivan Teleguz, den High School-Freund von Stephanie Sipe und Vater ihres Kindes, doch DNS-Tests zeigten, dass am Tatort gefundenes Blut nicht von ihm stammte. 2003 bot Aleksey Safanov Informationen über Ivan Teleguz an und versuchte damit, seine Abschiebung auf der Grundlage von Strafanklagen auf US-Bundesebene zu verhindern. Er behauptete, dass Ivan Teleguz einen "Schwarzen" angeheuert habe, um seine ehemalige Freundin zu töten. Der "Schwarze", Edwin Gilkes, leugnete dies zwar, doch als die Polizei drohte, ihn wegen Mordes anzuklagen, verwies er sie an Michael Hetrick, einen dritten Mann, dessen Blut dem am Tatort gefundenen entsprach. Die Polizei sagte Michael Hetrick, dass er nur dann ein Todesurteil vermeiden könne, wenn er gegen Ivan Teleguz aussage. Michael Hetrick behauptete schließlich, er habe den Mord für Ivan Teleguz ausgeführt, der ihm dafür 2.000 Dollar gegeben habe.

Ivan Teleguz wurde mit der Begründung zum Tode verurteilt, er habe Michael Hetrick beauftragt, den Mord zu begehen. Michael Hetrick, Edwin Gilkes und Aleksey Safanov erhielten Strafmilderungen, weil sie gegen Ivan Teleguz ausgesagt hatten. Michael Hetrick wurde nicht zum Tode verurteilt, Edwin Gilkes erhielt ein geringeres Strafmaß und wird 2018 aus dem Gefängnis entlassen. Edwin Gilkes sagte ebenfalls aus, dass Ivan Teleguz in einen weiteren Auftragsmord in Ephrata in Pennsylvania verwickelt sei. Die Staatsanwaltschaft forderte die Geschworenen auf, ihn zum Tode zu verurteilen, da es Beweise dafür gäbe, dass Ivan Teleguz "Probleme durch Auftragsmorde" löse.

In einer eidesstattlichen Erklärung gab Edwin Gilkes 2010 an, dass er die meisten seiner Aussagen in dem Verfahren "erfunden" habe, um nicht zum Tode verurteilt zu werden. Er fügte hinzu: "In Wahrheit habe ich keinen Beweis dafür, dass Teleguz Hetrick angeheuert hat". Er sagte darüber hinaus, dass seine Aussage zu dem Mord in Ephrata nicht wahr sei. Danach fand man heraus, dass der mutmaßliche Mord in Ephrata nie geschehen war. Aleksey Safanov widerrief seine frühere Aussage ebenfalls in einer eidesstattlichen Erklärung. "Ivan hat mir nie gesagt, dass er jemand beauftragt hat, Stephanie Sipe zu töten, und meine Aussage im Mordprozess, dass er mir das gesagt habe, war falsch". Ein Bundesgericht befand, es sei notwendig Zeugenaussagen zu hören, um die Möglichkeit der Unschuld von Teleguz zu beurteilen und hielt 2013 eine Anhörung ab. Weder Aleksey Safanov noch Edwin Gilkes sagten darin aus. Ersterer war abgeschoben worden und befand sich außerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Gerichts. Letzterer drohte die Strafmilderung zu verlieren, wenn er nun etwas anderes aussagen würde als im Verfahren, und so weigerte er sich, überhaupt auszusagen. Beamt_innen, die sie laut Aussagen der beiden zu den Falschaussagen genötigt hatten, wiesen jedes Fehlverhalten von sich. Michael Hetrick, dem gesagt wurde, dass er seine Strafmilderung einbüßen könne und möglicherweise zum Tode verurteilt würde, sagte aus wie zuvor im Verfahren. Das Gericht entschied, dass Ivan Teleguz seine Unschuld nicht bewiesen habe.

Ende März 2016, zwei Wochen vor dem Hinrichtungsdatum, stoppte das Berufungsgericht für den Vierten Bezirk die Hinrichtung von Ivan Teleguz, um festzustellen, ob ein neues Verfahren stattfinden könne, um seine Behauptung zu prüfen, er sei unangemessen vertreten worden. Nachdem dies abgelehnt wurde, setzte ein County-Gericht ein neues Hinrichtungsdatum fest.

SCHREIBEN SIE BITTE

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte stoppen Sie die Hinrichtung von Ivan Teleguz und wandeln Sie sein Todesurteil in eine Haftstrafe um.
  • Beachten Sie bitte, dass zwei Zeugen ihre Aussagen widerrufen haben. Zudem wurde ein drohendes Todesurteil eingesetzt, um einen dritten Zeugen, den eigentlichen Mörder von Stephanie Snipe, zur Kooperation zu bewegen.
  • Ich bin darüber besorgt, dass die Geschworenen vor der Strafmaßfestlegung zusätzlich belastendes Beweismaterial vorgelegt wurde, das unzutreffenderweise seine Beteiligung an einem Mord nahelegt, der entgegen der Behauptungen nicht stattgefunden hat.
  • Ich möchte die Schwere des begangenen Gewaltverbrechens weder entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

APPELLE AN

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES VIRGINIA
Terry McAuliffe
Common Ground for Virginia
PO Box 1475, Richmond, VA 23218
USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 804 371 6351
E-Mail: über https://governor.virginia.gov/constituent-services/communicating-with-th...

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i.
Pariser Platz 2, 10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, sodass sie noch vor dem 21. April 2017 ankommen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Der Bundesrichter, der 2014 gegen Ivan Teleguz entschieden hatte, wies den Vorwurf zurück, dass seine Pflichtverteidiger_innen im Berufungsverfahren unfähig gewesen seien, da sie die Verwendung des Beweises des angeblichen Mordes in Ephrata in der Phase des Verfahrens, in der das Strafmaß festgesetzt wurde, nicht angefochten hätten. 2015 war sich ein dreiköpfiges Richtergremium des US-Berufungsgerichts des Vierten Bezirks darüber uneins: ein Richter argumentierte, der Fall solle zur weiteren Beweisaufnahme an ein niederinstanzliches Gericht zurückverwiesen werden. Der nicht einverstandene Bezirksrichter Andre Davis schrieb mit Bezug auf das angebliche von Gilkes in seiner Aussage gezeichnete Mordszenario in Ephrata: "Gilkes sagte aus, dass der bei Teleguz stehende Mann zwei anderen Männern sagte, dass jemand "sterben würde", wenn bestimmte Schulden nicht bezahlt würden. Dann sagte Gilkes aus, dass tatsächlich wenige Tage später jemand auf der Hauptstraße in Ephrata getötet wurde. Danach wurde durch Recherchen klar, dass der Ephrata-Mord, so wie Gilkes in beschrieben hatte, nie stattgefunden hat." Während der Anhörung zur Beweisaufnahme 2013 sagte eine Polizeibeamtin aus Pennsylvania aus, dass ein Mann "unweit von Ephrata in Elizabeth Township in Pennsylvania" ermordet wurde. Ivan Teleguz fiel den Strafverfolgungsbehörden zwar im Zusammenhang mit der Elizabeth Township-Untersuchung zum ersten Mal auf, die Beamtin sagte jedoch, dass eine andere Person für den Mord verurteilt worden war. Ivan Teleguz war nicht am Tatort und er wurde im Zusammenhang mit diesem Verbrechen weder angeklagt noch festgenommen."

Richter Davis merkte an, dass der Bundesstaat die Aussage von Gilkes zu Ephrata benutzt habe, um die "zukünftige Gefahr", die von Teleguz ausgehe, nachzuweisen, gemäß den Gesetzen des Bundesstaates Virginia ein erschwerender Umstand bei Todesstrafenfällen. Dies kam noch zu dem anderen erschwerenden Umstand hinzu, der "Widerwärtigkeit" des Verbrechens gegen Stephanie Sipe. Er fuhr fort: "Zwei unabhängige erschwerende Faktoren sind mehr, als nur mehrere Beine, auf denen man stehen kann, wenn eins bricht. Hier geht es um viel und die Geschworenen mussten ein differenziertes moralisches Urteil fällen; Vorurteile sind inherent, wenn ein unwahrer erschwerender Faktor in Verbindung mit einem tatsächlichen begutachtet wird. So ?widerlich' und daher angemessen für ein Todesurteil der Mord von Stephanie Sipe auch nach dem zuständigen Recht von Virginia war, so wussten die Geschworenen doch, dass der eigentliche Mörder vom Commonwealth of Viriginia nicht zum Tode verurteilt wurde. Die Heranziehung des Beweismaterials eines Mordes in Ephrata durch die Staatsanwaltschaft [...] könnte das Strafmaß von Ivan Teleguz erst zu einem Todesurteil gemacht haben. Für die Staatsanwaltschaft, die Teleguz als Mann darstellte, der ?Probleme' durch Morde ?löst', hieß das nicht nur, dass Teleguz schon an Morden beteiligt gewesen war, sondern auch, dass er sich mit widerlichen Charakteren einließ, die auch mordeten. Der Bezug zu dem Mord in Ephrata hatte ganz sicher die gewünschte Wirkung."

2004 urteilte die Interamerikanische Menschenrechtskommission, dass ein US-amerikanisches Todesurteil gegen den auf Bundesebene angeklagten Juan Garza "willkürlich und launenhaft" gewesen sei, da die Staatsanwaltschaft Beweismaterial über eine Beteiligung von Garza in fünf ungeklärten Mordfällen in Mexiko herangezogen hatte. Es gab keine Beweise, die Garza mit diesen Verbrechen in Verbindung brachten. Er war auch nie dafür strafverfolgt oder verurteilt worden. Amnesty International ist der Ansicht, dass der Einsatz des Ephrata-Mordfalls gegen Ivan Teleguz zur Unterstützung der Behauptung "zukünftiger Gefahr" ähnlich nachteilig war.

2017 sind bereits fünf Menschen in den USA hingerichtet worden. Die Gesamtzahl der Hinrichtungen in den USA seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1976 steigt damit auf 1.447. Auf Virginia entfallen 112 dieser Hinrichtungen. Die Todesstrafe in den USA ist durch Willkür, Diskriminierung und Irrtum gekennzeichnet. Verfahrenstechnische Fehler und eine ineffektive Verteidigung der Angeklagten tragen, wie in den letzten vierzig Jahren enthüllt wurde, immer wieder zu Justizirrtümern bei Todesstrafenfällen bei. Amnesty International lehnt die Todesstrafe grundsätzlich und bedingungslos ab, ungeachtet der Fragen zu Schuld, Schwere des Verbrechens und Hinrichtungsmethode. Zurzeit ist die Todesstrafe in 141 Ländern weltweit per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for the execution of Ivan Teleguz to be stopped and his death sentence commuted.
  • Noting that two witnesses have recanted their trial testimony, and that the threat of the death penalty was used to secure the cooperation of a third principal witness at trial, the person who killed Stephanie Sipe.
  • Expressing concern that before its sentencing decision, the jury heard highly prejudicial aggravating evidence against the defendant pointing to his involvement in a murder that did not occur as alleged.
  • Explaining that you are not seeking to downplay the seriousness of violent crime or its consequences.

[zurück zu Urgent Actions]

 

  

09.05.2017
Iran: Die Hinrichtung zweier Jugendlicher stoppen!


28.04.2017
Puntland exekutiert fünf Jugendliche


27.04.2017
Arkansas wollte acht Menschen in vier Tagen hinrichten


31.12.2016
Philippinen: Stopp Todesstrafe!