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Kehren die Malediven zu Hinrichtungen zurück?

07.08.2017


Kilometerlange weiße Sandstrände, türkisfarbenes Wasser und Palmen so weit das Auge reicht. Die Malediven sind ein Inselstaat im Indischen Ozean und eines der beliebtesten Urlaubsziele der Welt. Doch nun fallen Schatten auf das Urlaubsparadies.

Wie regierungsnahe Quellen bestätigen, könnten schon in Kürze auf den Malediven die Hinrichtungen wieder aufgenommen werden. Der Oberste Gerichtshof hat 2016 drei Todesurteile bestätigt. Diesen drei Männern droht nun wegen Mordes unmittelbar die Hinrichtung, da sie bereits sämtliche Rechtsmittel ausgeschöpft haben. Aufgrund jüngster Gesetzesänderungen haben die Männer keine Möglichkeit, ein Gnadengesuch zu stellen oder um die Umwandlung ihrer Urteile zu bitten. Die Hinrichtungspläne auf den Malediven sollen möglicherweise die Aufmerksamkeit von einer sich zuspitzenden politischen Krise ablenken, in der sich das Land gegenwärtig befindet.
 

Die Regierung unter Präsident Abdullah Yameen hatte angekündigt, alle Todestraktinsassen innerhalb von 30 Tagen nach Bestätigung der Urteile durch den Obersten Gerichthof hinrichten zu lassen. Es wären die ersten Exekutionen auf den Malediven seit über 60 Jahren.

Bereits 2014 unternahm die Regierung erste Schritte, um die Vollstreckung von Todesurteilen wieder aufzunehmen und zukünftig zu beschleunigen, indem sie dem Präsidenten die Macht entzog, Begnadigungen in Mordstrafsachen auszusprechen. 2016 wurde die Hinrichtungsmethode umgestellt, das Land ersetzte die Giftspritze durch den Galgen. Für das Berufungsverfahren zur Überprüfung von Todesurteilen wurden Zeitvorgaben eingeführt. Eine Wiederaufnahme der Vollstreckung der Todesstrafe würde einen großen Rückschritt für die Menschenrechte auf den Malediven bedeuten und einem weltweiten Trend zuwiderlaufen – bis heute haben 141 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Aus Protest gegen die Todesstrafenpolitik ihres Landes erklärte am 5. Juli 2016 Außenministerin Dhunya Maumoon ihren Rücktritt.

Laut Angaben der Strafvollzugsbehörde der Malediven befinden sich derzeit 20 Personen im Todestrakt. Mindestens fünf von ihnen waren zur Zeit der ihnen vorgeworfenen Straftaten minderjährig.

Amnesty International kritisiert die Hinrichtungspläne scharf. "Seit mehr als 60 Jahren haben die Malediven in der Region den Weg gewiesen, indem sie diese grausame und unumkehrbare Strafe gemieden haben. Jetzt, wo sich ein Großteil der Welt von der Todesstrafe befreit hat, riskiert das Land, sich auf die falsche Seite der Geschichte zu stellen und möchte weltweit traurige Berühmtheit erlangen für die Wiederbelebung der Todesstrafe", kommentiert Biraj Patnaik, Südasien-Direktor von Amnesty International.

Was können Sie tun?
Schicken Sie bitte mit zwei Klicks aus Ihrem E-Mail-Programm einen [Online-Appell] an den Innenminister des Landes. Fordern Sie ihn auf, alle Pläne zur Wiederaufnahme von Hinrichtungen zu stoppen und ein offizielles Hinrichtungsmoratorium zu erlassen mit dem Ziel, die Todesstrafe auf den Malediven vollständig abzuschaffen.

Mehr erfahren
♦   I
n einer Pressemitteilung (englisch) von Amnesty International vom 1. August 2017 lesen Sie mehr zum Thema [klick hier].

♦   Amnesty und sechs andere maledivische und internationale Nichtregierungsorganisationen protestieren in einem gemeinsamen offen Brief an den Präsidenten der Malediven gegen die drohende Wiederanwendung der Todesstrafe. Offener Brief in Englisch [klick hier].

Amnesty International, Koordinationsgruppe gegen die Todesstrafe, 07. August 2017





  

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