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Todesstrafe in Japan abschaffen! − Amnesty-Aktion auf der CeBIT in Hannover

14.12.2014


TODESSTRAFE IN JAPAN


Digitalisierung und technologische Innovationen bilden auf der CeBIT den Fokus, auf den die Welt schaut. Jeder Aussteller und somit auch jedes Ausstellungsland will sich von seiner besten Seite zeigen. Wer kommt schon bei solch einem Event auf den Gedanken, dass ein so fortschrittliches Industrieland wie Japan noch die mittelalterlich anmutende Todesstrafe anwendet?

Genau aus diesem Grund macht Amnesty International auf einen eklatanten Widerspruch aufmerksam: Japan präsentiert sich einerseits als ein hochmodernes Industrieland. Andererseits verletzt es mit der Todesstrafe elementare Menschenrechte, so das Recht auf Leben, das Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte jedem Menschen garantiert.
Japan
Der Gefangene Matsumoto Kenji steht exemplarisch für diese beschämende Praxis. Er ist einer der mehr als 120 zum Tode Verurteilten, die in Japan jederzeit mit ihrer Hinrichtung rechnen müssen. Dem 66-Jährigen wurde zur Last gelegt, gemeinsam mit seinem Bruder zwischen September 1990 und September 1991 zwei Raubüberfälle und Morde verübt zu haben.

Die begangenen Straftaten sind schrecklich, doch Matsumoto Kenji ist seit seiner Geburt geistig behindert. Das japanische Rechtssystem schützte ihn nicht, sondern verurteilte ihn im September 1993 zum Tode. Sein Bruder beging schon bei Erlass des Haftbefehls Selbstmord.

Seither sitzt Matsumoto Kenji im Todestrakt, wo seine Hinrichtung jederzeit erfolgen kann. Aufgrund seines geistigen Zustandes ist es ihm nicht möglich, seine Situation und die auferlegte Strafe zu verstehen sowie seinen Anwälten zuzuarbeiten. Die Berufung gegen das Urteil wurde am 21. Februar 1996 vom Oberen Gericht Osakas zurückgewiesen. Danach eingereichte Anträge auf Wiederaufnahme bzw. Begnadigung waren erfolglos.

Die Haftbedingungen für zum Tode Verurteilte sind hart. Die Gefangenen werden in Einzelhaft gehalten, und Kontakt mit anderen Häftlingen ist ihnen verboten. Besuche von Familienangehörigen und Rechtsanwälten sind begrenzt und werden überwacht. Es gibt im Gefängnis strenge Verhaltensvorschriften. So darf sich der Häftling nicht in seiner Zelle bewegen. Er muss still sitzen bleiben. Verstößt er gegen diese Disziplinarvorschriften, werden harte Strafen verhängt. Erlaubte Bewegung gibt es nur bei den Toilettengängen und im Sommer bei den zwei 30-minütigen Freigängen pro Woche. Hierbei ist der Häftling von anderen Häftlingen isoliert und wird überwacht.

Todeskandidaten werden erst am Morgen ihres Hinrichtungstages von der unmittelbar bevorstehenden Vollstreckung in Kenntnis gesetzt. Manchmal wird die Person auch gar nicht vorgewarnt. Hinrichtungen werden in Japan typischerweise im Geheimen durchgeführt. Angehörige der zum Tode Verurteilten erhalten im Vorfeld keine Information über die angeordnete Hinrichtung, sondern werden erst danach unterrichtet. Sie können sich deshalb noch nicht einmal von ihren Angehörigen verabschieden. Insgesamt wurden seit 2012 unter der Regierung von Premierminister Abe 17 Menschen durch den Strang hingerichtet.

Bei der CeBIT steht das Partnerland Japan im Fokus. Amnesty International fordert Japan dringend auf, alle Todesurteile in Haftstrafen umzuwandeln und die Todesstrafe abzuschaffen.

WAS KÖNNEN SIE TUN?
Setzen Sie sich für den Gefangenen Matsumoto Kenji ein, dem jederzeit die Hinrichtung droht. Fordern Sie ein Ende der Todesstrafe in Japan.

♦  Senden Sie bitte mit zwei Klicks aus Ihrem E-Mail-Programm einen [Appell] an den japanischen Premierminister Shinzo Abe.

♦  Sie können auch eine E-Mail an den Premierminister über diese [Internetseite] richten. Eine Text- und Briefvorlage (Porto 0,90 EUR) finden Sie [hier].

SIE MÖCHTEN MEHR ERFAHREN?
→  Pressemitteilung [klick]

→  Hintergrundinfo [klick]

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DEATH PENALTY IN JAPAN

The world looks at the digitization and technological innovations that are in the focus of the Hannover Trade Fair CeBIT each year. Every exhibitor and thus every exhibiting country wants to present itself at its best. At such an event, who would believe that a progressive industrialized country like Japan still makes use of the medieval death penalty?

For this reason, Amnesty International wants to draw attention to a blatant contradiction: On the one hand, Japan presents itself as a high tech industrial country. On the other hand, by still carrying out the death penalty, the country violates elementary human rights as the right to live, which Article 3 of the Universal Declaration of Human Rights guarantees to everyone.

The prisoner Matsumoto Kenji stands as an example for this shameful practice. He is only one of more than 120 people condemned to death, who in Japan have to face their execution at any time. The 66 year old man was charged to have committed two robberies and murders between September 1990 and September 1991 together with his brother.

The crimes committed are horrible but Matsumoto Kenji is mentally disabled since his birth. The Japanese legal system did not protect him but sentenced him to death in September 1993. His brother had committed suicide before the decree for the arrest warrant had been issued.

Since 1993, Matsumoto is on death row where his execution can take place at any time. Because of his mental disability he is not able to understand either his situation or the imposed sentence and cannot assist his lawyers. Their appeal against the sentence was rejected on February 21st 1996 by the High Court in Osaka. Subsequent submissions for a retrial or a pardon were unsuccessful.

The conditions of imprisonment for those sentenced to death are harsh. The prisoners are held in solitary confinement and are not allowed to have contact with other prisoners. Visits by family members and lawyers are restricted and monitored. Behavior patterns in prison are strictly predefined. The prisoner is not allowed to move around in his cell but has to sit still permanently. If he violates these disciplinary rules, severe punishment will be imposed. Movement is only permissible for going to the toilet or in the summer for two or three 30 minute breaks per week. During those breaks the prisoner is isolated from other prisoners and monitored enduringly.

The death row inmates learn about their imminent execution only a few hours before it takes place at the most. Sometimes the prisoner is not warned at all. Usually, executions in Japan are conducted in secrecy. The families of the prisoners are not informed of the imminent execution but only after their beloved one is already dead. Therefore, they are not able to say good bye to their relatives. A total of 17 people have been hanged since 2012 under the current government of Prime Minister Abe.

At the CeBIT, the partner country Japan is in the center of attention. Amnesty International demands Japan urgently to commute all death sentences into imprisonments and to abolish the death penalty.


WHAT CAN YOU DO?
♦  Please send an Email [appeal] calling on the Prime Minister Shinzo Abe not to execute death row prisoner Matsumoto Kenji and to end the death penalty in Japan.

♦ Write an Email appell via [website] of Prime Minister Abe.You can find a text and model letter [here].





  

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