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Indonesien: Zwangskastration und Todesstrafe für Sexualstraftäter

26.10.2016


Amnesty International fordert die indonesischen Behörden dazu auf, sofort Bestimmungen aufzuheben, nach denen Sexualstraftäter mit chemischer Kastration oder sogar mit dem Tod bestraft werden können.

Eine entsprechende Gesetzesbestimmung, die im Mai 2016 von Präsident Joko Widodo herausgegeben worden war und dies ermöglicht, wurde kürzlich vom Repräsentantenhaus ratifiziert. Vorausgegangen waren mehrere aufsehenerregende Fälle von Vergewaltigungen von Kindern und darauffolgende Forderungen von Politikerinnen und Politikern, Sexualverbrechen an Kindern härter zu bestrafen.

„Sexueller Missbrauch von Kindern ist unbeschreiblich schrecklich. Aber die Täter auf chemischem Wege zu kastrieren oder mit dem Tode zu bestrafen, ist keine Gerechtigkeit, sondern fügt einer Grausamkeit bloß eine weitere hinzu“, sagt Papang Hidayat, Amnesty-Reseacherin für Indonesien.

Bei der chemischen Kastration handelt es sich um eine medikamentöse oder hormonelle Behandlung zur Unterdrückung des Sexualtriebs. Diese ohne informierte Zustimmung per Gesetz als Strafmaßnahme zu verhängen, ist eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe.

Laut dem Gesetz ist diese Behandlung als zusätzliche Strafe für jeden vorgesehen, der ein Kind – eine Person unter 18 Jahren – durch Androhung oder Anwendung von Gewalt zum Geschlechtsverkehr zwingt und dem Opfer damit schwerwiegende körperliche und seelische Schäden zufügt oder sogar dessen Tod verursacht. Straftäter sollen sich dieser Behandlung bis zu zwei Jahre nach Verbüßung ihrer Gefängnisstrafe unterziehen.

„Chemische Zwangskastration ist eine Verletzung des völkerrechtlichen Verbots von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung oder Bestrafung“, sagt Papang Hidayat. „Die Ausweitung des Anwendungsbereichs der Todesstrafe ist unvereinbar mit Indonesiens internationalen Verpflichtungen zum Schutz des Rechts auf Leben. Angesichts gravierender Mängel in Indonesiens Justizsystem kann außerdem das Risiko, Unschuldige hinzurichten, niemals ausgeschlossen werden.“

Die Indonesische Ärztevereinigung (IDI – Indonesian Doctors Association) hat bereits angekündigt, die Ausführung der Kastrationsstrafe zu verweigern, da sie die medizinische Ethik verletzt.

Amnesty International, Koordinationsgruppe gegen die Todesstrafe, 26. Oktober 2016





  

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