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USA zunehmend isoliert

10.10.2010


Am 10. Oktober, dem Internationalen Tag gegen die Todesstrafe, drängt Amnesty International die USA, die Anwendung dieser grausamen und unmenschlichen Strafe zu beenden. Die USA sind das einzige Land des amerikanischen Kontinents, in dem 2009 Hinrichtungen stattgefunden haben. Weltweit hat sich eine klare Mehrheit der Staaten von der Todesstrafe abgewandt.

Die USA müssen sich fragen, wie das Festhalten an dieser Strafe zum eigenen Anspruch passt, in Menschenrechtsangelegenheiten eine fortschrittliche Nation zu sein.

Die Todesstrafe ist grausam, erniedrigend, ineffektiv und mit allgemein herrschenden Vorstellungen von Menschenwürde unvereinbar. Ihre Anwendung ist in den USA von Willkür, Diskriminierung und Irrtümern gekennzeichnet.

Mehr als 1.200 Männer und Frauen sind in den USA exekutiert worden, seit 1977 nach fast zehnjähriger Pause die Hinrichtungen wieder aufgenommen wurden. Allein in den drei Bundesstaaten Texas, Virginia und Oklahoma finden über die Hälfte der US-amerikanischen Exekutionen statt.

Mehr als 130 Gefangene sind seit Wiederzulassung der Todesstrafe in den USA aus den Todestrakten entlassen worden, nachdem sich ihre Unschuld erwiesen hatte. Andere wurden trotz erheblicher Zweifel an ihrer Schuld hingerichtet.

Studien zeigen, dass in den USA die Hautfarbe bei der Frage, wer zum Tode verurteilt wird und wer nicht, eine Rolle spielt. Morde, bei denen Weiße ums Leben kamen, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit mit der Todesstrafe geahndet als solche, bei denen Schwarze starben.

Zum Faktor Hautfarbe kommen noch wahltaktische Erwägungen, die lokale Finanzsituation, die Zusammensetzung der Jury und die Qualität der Verteidigung, die den Angeklagten zur Verfügung steht, hinzu. Sie spielen alle eine Rolle in einem Todesstrafensystem, das mehr einer Lotterie gleicht als einer sorgfältigen Auswahl der „allerschlimmsten“ Verbrechen und Verbrechern, von der die Befürworter der Todesstrafe sprechen.

In den letzten beiden Jahren haben die Bundesstaaten New Mexico und New Jersey die Todesstrafe abgeschafft und die Zahl der jährlich verhängten Todesurteile hat gegenüber ihrem Höchststand in den Neunzigerjahren um zwei Drittel abgenommen. Meinungsumfragen zeigen, dass die öffentliche und politische Unterstützung dieser Strafe schwindet. „Es ist höchste Zeit, dass auch die USA staatliches Töten ächten“, sagt Sumit Bhattacharyya, USA-Experte von Amnesty International in Deutschland, anlässlich des Internationalen Tags gegen die Todesstrafe.

     Mehr zum Internationalen Tag gegen die Todesstrafe erfahren Sie [hier].

     Einen kurzen Bericht in englischer Sprache über die Todesstrafe in den USA finden Sie [hier].

     Zahlen und Fakten über die Todesstrafe in den USA lesen Sie [hier].

Amnesty International, Koordinationsgruppe gegen die Todesstrafe, 10. Oktober 2010 





  

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