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Hat Sudan Unschuldige hingerichtet?

15.04.2009
Die sudanesische Regierung hat am 13. April an neun Personen, die möglicherweise unschuldig sind, das Todesurteil vollstrecken lassen. Die Männer starben am Galgen im Kober-Gefängnis in der Hauptstadt Khartum.

Am 2. April hatte das Verfassungsgericht die Todesstrafe gegen die neun Männer bestätigt. Einer von ihnen ist bereits 72 Jahre alt. Sie waren für schuldig befunden worden, den Herausgeber der Zeitung „Al-Wifaq“, Mohamed Taha, ermordet zu haben. Dieser war am 6. September 2006 enthauptet aufgefunden worden. Der kritische Journalist hatte sich unter anderem den Zorn von IslamistInnen zugezogen, die Anstoß an seinen Zeitungsartikeln genommen hatten.

Im Zuge der Mordermittlungen nahmen Polizei und andere Sicherheitskräfte in großem Umfang Festnahmen vor. Vor allem Menschen aus Darfur, die in Khartum leben, gerieten ins Visier der Sicherheitskräfte. Von den 72 festgenommenen Personen wurde die Mehrzahl wieder freigelassen, aber 19 - bis auf einen alle aus der Region Darfur - kamen vor Gericht. Die Gerichtsverfahren begannen im Februar 2007. Im August 2007 wurden neun Angeklagte freigesprochen und kamen nach fast einem Jahr in Haft frei.

Die jetzt hingerichteten neun Männer gaben an, sie seien gefoltert worden, um den Mord zu gestehen, und waren gezwungen worden, Geständnisse zu unterzeichnen, die später als Beweismittel in den Prozess eingebracht wurden. Während des Gerichtsverfahrens zogen alle Angeklagten ihre „Geständnisse“ zurück, doch auch das Berufungsgericht akzeptierte, dass Geständnisse als Hauptbelastungsmaterial gegen sie verwendet worden waren.

Die VerteidigerInnen baten mehrfach darum, die Foltervorwürfe medizinisch untersuchen zu lassen. Dies wurde jedoch verweigert, obwohl einige der Männer Foltermale aufwiesen.

„Die Hinrichtung der neun Männer ist empörend. Sie wurden willkürlich verhaftet, gefoltert und danach in einem unfairen Prozess verurteilt“, erklärte Tawanda Hondora, stellvertretender Direktor für die Region Afrika bei Amnesty International. „Dieser Fall ist ein tragisches Beispiel dafür, was passiert, wenn eine unumkehrbare Strafe wie die Todesstrafe angewendet wird“, sagte Tawanda Hondora. „Die sudanesische Regierung muss die Todesstrafe abschaffen, sofort.“

Amnesty International, Koordinationsgruppe gegen die Todesstrafe, 15. April 2009



  

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